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„Ja, die Außenwirkung war nicht gut“

Gespräch mit einem der Beteiligten des kritisierten Rechtsrock-Konzertes im Koberger „Koppelkaten“

Koberg. Die Stimmung in Koberg im Amt Sandesneben-Nusse ist schlecht. Ursache: ein Konzert der rechtsextremen Rockband „Kategorie C“ aus Bremen im Juni im „Koppelkaten“. Schon mehrfach in der Vergangenheit hatten sich in dem ehemaligen Gasthof Neonazis getroffen und gefeiert.


Nach dem jüngsten Ereignis hatten besorgte Anwohner die Grünen-Politiker Konstantin von Notz (MdB) und Burkhard Peters (MdL) zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, um über Maßnahmen zu diskutieren, wie man solche Veranstaltungen und Ereignisse in Zukunft verhindern kann. Die Koberger wollen sich nicht länger öffentlich in eine rechtsextreme Ecke gestellt wissen. Ihre Aussage: „Das sind wir nicht!“


Der Ratschlag der Grünen-Politiker lautete: „Redet mit ihnen! Kommt miteinander ins Gespräch.“ Die LN hatten gleich einen Tag später Gelegenheit dazu. Wir telefonierten mit einem der (anonym bleiben wollenden) Beteiligten jenes Konzertes, einem jungen Dorfbewohner, der zu den Ereignissen Stellung nimmt und den wir hier der Einfachheit „Anton“ nennen.


Die Feier sei privat gewesen und initiiert von einer Gruppe junger Leute aus dem Ort Koberg und umgebender Dörfer. Die Musik der Rockband „Kategorie C“ hören sie „schon 'n paar Jahre länger, haben aber diese Musik nie mit irgendwelchem Rechtsextremismus oder irgendwas zusammen gebracht“. Immerhin war man sich bewusst, dass es eine „problematische Band“ war. Anton: „Die singt (...) viel über Remmidemmi und es ist auch definitiv so, dass sie Gewalt verherrlichend singt“. Allerdings: „Sie hat lange nicht so aggressive Texte wie die Deutsch-Rapper heute, die irgendwelche Echos gewinnen“.


Und waren auch Neonazi-Gäste, wie berichtet, aus Niedersachsen, Mecklenburg oder Schleswig-Holstein dabei? Anton: „Das waren es mit Sicherheit auch, denn (...) da gab es bei dieser Band auf der Seite einen Flyer, wo sie das beworben haben für ihre Leute, für ihre Internen wohl, und wir dann gesagt haben, ja okay.“ ‚Die bringen wir mit, dann wird der Auftritt für euch nicht so teuer’, habe es geheißen. „Und diese Leute konnten wir uns natürlich nicht aussuchen. Natürlich hätten wir gesagt, ‚nee, komm, bleib mal draußen’. Aber wenn da irgendein NPD-Funktionär dabei gewesen wäre, die kann man ja nicht an der Nasenspitze erkennen!“


Angesprochen auf die eigene Gruppen-Identifikation, wer man denn sei, eventuell die in der Vergangenheit aufgetretenen ‚Koberger Jungs’?, erklärte Anton: „Nein, nein, da sind einige von bei, die mal zu den ‚Koberger Jungs’ gehört haben. Nein, das sind ganz viele aus dem Umkreis hier, die sich mal treffen auf Partys und zusammen einen trinken und grillen.“


Versteht die Gruppe denn die Besorgnis der Dorfbewohner, die sich jetzt öffentlich über die Zustände beschwert haben? Anton: „Vor diesem Treffen mit der Gemeindevertretung haben wir uns zusammen gesetzt. Wir waren in unseren Dörfern, na ja, die Buhmänner nicht, aber unser Ruf lag am Boden oder liegt immer noch. Wir haben überlegt, was erhoffen wir uns von diesem Treffen? Und dann haben wir uns gefragt, was werden die uns ankreiden? Das Auftreten rund um die Veranstaltung, das war . . . ja, die Außenwirkung war nicht gut. Das haben wir aber auch in unserem Brief geschrieben, den wir in Koberg rumgegeben haben, dass uns die Außenwirkung leid tut, aber dass keiner von uns mit dieser Szene sympathisiert und wir jegliche Gewalt von rechts oder links verabscheuen“.


Drei Dinge wurden an den „Konzertbesuchern“ und „Veranstaltern“ besonders kritisiert. Zum einen das uniforme Tragen von schwarzen Klamotten. Anton: „Wenn man auf ein Rockkonzert geht, egal wo, ob das ‚Tote Hosen’ sind oder andere - egal; alles voller schwarzer T-Shirts. Meiner Meinung nach kann man darauf nicht auf eine rechtsextreme Veranstaltung kommen.“


Dann gab es den Vorwurf über „patrouillierende Gruppen“ im Dorf. Anton: „Wir standen an der Straße, weil wir die Band empfangen haben. Irgendwann bildet sich so ein magischer Punkt, wenn die ganze Veranstaltung noch nicht los geht, dann sitzen die ganzen Leute noch draußen und ein Punkt davon war halt an der Straße.“ Keinesfalls sei patrouilliert worden. Und auch habe es keine erheblichen Ruhestörungen gegeben. Das habe man sich von der Polizei bestätigen lassen.


Die Ausrüstung mit Funkgeräten sei als Hilfsmittel für den eigenen Ordnungsdienst zu verstehen gewesen. Die Band habe von den Veranstaltern gefordert, ihre Technik zu sichern. Beim „Moshen“ und „Pogen“ gebe es immer ein „wildes Rumgezappel“, da kann schon mal was zu Bruch geben. Insofern seien die Ordner mit „Knopf im Ohr“ ausgerüstet gewesen, um schnell bei dem lautstarken Konzert über eventuelle Vorfälle informiert zu werden und eingreifen zu können.


Der Grund, warum sich die so harsch Kritisierten nicht bei der Podiumsveranstaltung gezeigt und geäußert hätten, sei dieser: „Auf dieser Veranstaltung saßen Menschen, die uns persönlich gedroht haben. Die dem Dorf gedroht haben. Die gedroht haben, den Veranstaltungsort, wo das passiert ist, mit ihren Antifa-Leuten aus Hamburg nieder zu brennen. Und dass diese Leute mit 300 Leuten der Hafenstraße nach Koberg einmarschieren.“


Antons Fazit am Ende des Gesprächs lautet: „Wir haben mit Sicherheit keine Glanzleistung da hin gelegt, als wir dieses Konzert veranstaltet haben und keiner von uns kann dafür die Hand ins Feuer halten, dass da kein NPD-Funktionär war, aber es war definitiv keine Nazi-Veranstaltung, es war keine politische Veranstaltung, und keine politischen Lieder, keine politischen Inhalte, nichts.

Die ehemalige Gaststätte „Zum Koppelkaten“ liegt zwar etwas versteckt hinter diesen beiden Bäumen - allerdings auch direkt an der gleichnamigen Durchfahrtsstraße und ist kaum zu verfehlen.


Foto: Burmester


Lübecker Nachrichten, Sonntag, 17. Juli 2016


Zwei Leserbriefe erhielt diese Zeitung, abgedruckt am 20. Juli 2016.