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Die Glocke, die mit dem Trecker kommt


Bauer Jürgen Schäfer (links) zieht mit seinem Deutz- Trecker den fahrbaren Gerüstturm, Pastor Hans Joachim König präsentiert die Glocke.


Foto: Tim Jelonnek

Koberg - In der Kirchengemeinde Nusse-Behlendorf dürfen auch mal die Konfirmanden läuten.


Lübeck diskutiert darüber, ob das Geläut der Kirchenglocken die Ruhe stört. Die Gemeinde Nusse-Behlendorf (Kreis Herzogtum Lauenburg) hingegen trägt den Glockenklang sogar in ihre Dörfer hinein. Dazu wurde ein mobiler Glockenturm angeschafft.


"Das soll ein Zeichen sein, dass es auch wirklich Kirche ist", sagt Pastor Hans Joachim König aus Nusse.


Einmal im Monat geht der Glockenturm auf die Reise. Heute geht es nach Koberg, ein Dorf mit 750 Einwohnern. Jürgen Schäfer hat seinen alten Deutz angeworfen, um den Glockenturm auf seinem fahrbaren Gestell zu transportieren - mit maximal 25 Pferdestärken. "Das ist doch Ehrensache", sagt der 62-Jährige. Reihum werden die Landwirte aus den Orten vom Kirchenvorstand für den Transport angeheuert. Die Kirchengemeinde umfasst insgesamt 16 Dörfer. Beim Gemeindehaus, das 2008 in einem alten Bauernhof eingerichtet worden ist, wird das hölzerne Gefährt von gut vier Metern Höhe abgestellt - hier soll an diesem Sonntag Gottesdienst gefeiert werden.


Zunächst war der mobile Glockenturm nur für Gottesdienste am Behlendorfer See gedacht - die Idee entstand in Projektarbeit während Reparaturarbeiten in der Behlendorfer Kirche. Im Jahr 2004 ließ man dann den Glockenturm von einem Tischler bauen: eine solide Holzkonstruktion, in der eine kleine Bronzeglocke mit einem Durchmesser von 40 Zentimetern hängt. "Es handelt sich um eine Marienglocke, die eigentlich für die katholische Kirche gedacht war", erzählt König schmunzelnd. Man habe sie jedoch gern genommen, weil sie erschwinglich war und die Größe so gut passte.


Sonntags auf dem Dorf wird sie zehn Minuten vor dem Gottesdienst geläutet und erinnert die Bewohner daran, dass sie sich allmählich auf dem Weg machen müssen. Manchmal fassen Pastor König oder sein Behlendorfer Kollege Torsten Reimer selbst mit an. Oft aber zieht auch einer der Konfirmanden das Seil - etwa fünf Minuten lang. "Das ist nicht ohne", erklärt König. "Man muss es mit Gefühl machen, sonst springt das Seil ab, oder es läutet nicht gleichmäßig." Die Konfirmanden bekommen für diesen Job Ohrenschützer auf, denn der Klang ist hell und durchdringend.


"Wir tragen das Kirchengeläut in die Dörfer hinein", sagt Elke Gräning vom Kirchenvorstand. Die Besucher hätten ein Lächeln im Gesicht, wenn sie den Gottesdienstraum betreten - "einfach, weil es netter Anblick ist". Die Resonanz sei durchweg positiv. "Es kommen viele, die sonst den Weg in unsere Kirchen in Nusse und Behlendorf nicht mehr schaffen oder ihn nicht gewohnt sind", berichtet König. "Manchmal sind es 50 bis 70 Gottesdienstbesucher." Eine Erfolgsgeschichte für die findige Kirchengemeinde.


Dabei wollte der Tüv den rollenden Glockenturm zunächst gar nicht auf Tour gehen lassen: "Nur mit viel Mühe haben wir überhaupt die Straßentauglichkeit bekommen", erzählt König. Der Turm war nämlich 20 Zentimeter zu hoch. Doch die Gemeindemitglieder wussten Rat: Für die Fahrt wird die Turmspitze jetzt einfach weggeklappt. "Und wenn wir dran denken, dann richten wir sie zum Gottesdienst wieder auf."


Von Julia Paulat, Lübecker Nachrichten